Unser Wahlprogramm

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen!

Vom 7. Juli bis zum 13. Juli habt Ihr die Wahl. Wieder einmal werden die studentischen Vertreter:innen für den Senat der Uni Freiburg gewählt. Außerdem finden die Wahlen zum Studierendenrat (StuRa) der Verfassten Studierendenschaft statt. In diesem Wahlprogramm stellen wir unsere Ziele als künftige Studierendenvertreter:innen vor und geben Antworten auf hochschulpolitische und kommunale Fragen. Wir vertreten einen dezidiert allgemeinpolitischen Anspruch, den wir in der Gesellschaft im Allgemeinen und an der Universität im Besonderen umsetzen wollen. Wir bitten Euch bei der Umsetzung unseres Programms um Eure Unterstützung. Nur gemeinsam können wir die Universität verbessern!

Freiburg im Juni 2021,

Eure Juso-Hochschulgruppe Freiburg

Hybride Lehre – Präsenz ausbauen, online ergänzen

Über ein Jahr mussten Studierende infolge der Corona Pandemie zurückstecken und sich solidarisch verhalten. Mit steigender Impfquote und sinkenden Fallzahlen ist es dringend notwendig, dass auch Studierende von Lockerungen profitieren. Wir fordern deshalb einen langfristigen, aber auch schnell umsetzbaren Plan der Universität: Der Präsenzunterricht muss wieder in den Mittelpunkt gestellt, vorhandene Platzkapazitäten ausgeschöpft und dabei das Online-Angebot weiter erhalten werden. Soweit die pandemische Lage es zulässt, sollten Studierende aller Jahrgänge die Möglichkeit auf ein studentisches Miteinander in Präsenz haben. Zugleich muss auf Studierende geachtet werden, die nicht umgehend zu Präsenzveranstaltungen übergehen können. Dies bedeutet, dass auch weiterhin Vorlesungen nach der Präsenzveranstaltung online zur Verfügung gestellt werden und vorlesungsbegleitendes Material auf den Lernplattformen hochgeladen wird. Die neu erlangten Erfahrungen und Kompetenzen aus dem Onlinestudium dürfen nicht wieder verworfen werden. Man muss diese nutzen, um die Universität Freiburg dauerhaft gut digital aufzustellen.

Damit wird das Studieren an der Universität Freiburg allgemein flexibler, aber auch fairer und sozialer: Studierende, die an einer Präsenzveranstaltung aufgrund eines Nebenjobs, der Kinderbetreuung, einer Erkrankung oder aus anderen Gründen nicht teilnehmen können, verpassen so keine Inhalte und haben die gleichen Chancen in Prüfungen.

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und wir finden es ist Zeit, dass die Universität Freiburg die daraus resultierenden Möglichkeiten aktiv nutzt, um die Lehrqualität und die Chancengleichheit für alle Studierenden zu verbessern.

Wir fordern so viel Präsenzlehre wie möglich, die weiterhin durch die Onlineangebote unterstützt wird!

Keine Studiengebühren!

Wir positionieren uns klar gegen die Studiengebühren für internationale Studierende (in Höhe von 1.500 Euro) und für Studierende, die ein Zweitstudium anstreben (in Höhe von 650 Euro im Semester) und fordern deren Abschaffung.

Der Verwaltungsaufwand für die Studiengebühren für nicht EU Bürger:innen steht nicht im Verhältnis zum Nutzen. Sie widersprechen nicht nur der freien Berufswahl, sondern auch unserer Vorstellung von einer weltoffenen Gesellschaft. Auch bei Zweitstudierenden soll der Zugang zu einem weiteren Abschluss nicht vom Geldbeutel abhängen. Eine Zweitstudiengebühr schafft und befeuert Chancenungleichheit.

Die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung erfordert das lebenslange Lernen und Flexibilität von Arbeitnehmer:innen. Zweitstudiengebühren behindern die berufliche Neuorientierung und Weiterbildung im Arbeitsleben und benachteiligen Menschen mit weniger Geld.

Für selbstbestimmtes Lernen an der Universität!

Enge, durchgetaktete Studienpläne, die ständige Jagd nach ECTS und ausufernde Bürokratie machen Studierenden das Leben schwer. Das eigentliche Ziel eines Studiums – ein umfassend gebildeter, kritisch denkender Mensch zu werden – tritt immer mehr in den Hintergrund und wird nicht selten durch „Bulimielernen“ abgelöst. Deswegen fordern wir freiere Gestaltungsmöglichkeiten für das Studium. Die Anwesenheitspflicht in Vorlesungen und Seminaren ohne relevante Interaktion muss abgeschafft werden, die Regelstudienzeiten sollten realistisch sein und der durchschnittlichen Studiendauer entsprechen. Bei Studienortswechseln muss die Anerkennung von Leistungen erleichtert werden.

Außerdem fordern wir eine Vereinfachung der An- und Abmeldung für Prüfungen sowie der Masterzulassungsverfahren. Prüfungstermine sollten flexibler gestaltet werden können, z.B. durch Ersatztermine. Jeder und jedem Bachelorabsolvent:in muss ein Masterplatz garantiert werden.

Bessere universitäre Infrastruktur ist eine Voraussetzung für gutes Lernen. Wir fordern mehr Lern- und Arbeitsplätze! Verfügbare Arbeitsplätze müssen während der noch andauernden  Corona-Pandemie vollständig ausgeschöpft werden. Für die Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek muss gelten: 24/7! Scanner, Drucker und andere technische Angebote müssen allen Studierenden kostenlos zur Verfügung stehen!

Schließlich fordern wir die Abschaffung der Symptomangabe bei Attesten, da diese in das Persönlichkeitsrecht der Studierenden eingreift und die Entscheidung über die Prüffähigkeit von Ärzt:innen zu medizinischen Laien in Prüfungsämtern verlagert.

Zu einem selbstbestimmten Studium gehört auch die Entscheidung einen Studiengang frei wählen zu können, so fordern wir, dass die Zulassungspraxis überdacht wird und eine den Studienbewerber:innen entsprechende Anzahl an Studienplätzen zur Verfügung gestellt werden. Bis dahin setzen wir uns für eine stärkere Berücksichtigung sozialer Kriterien, ehrenamtlichen Engagements und fachspezifischer Ausgleichsleistungen. Auch Geflüchteten muss der Zugang zu regulärer Hochschulbildung ermöglicht werden.

Für mehr finanzielle Unabhängigkeit im Studium!

Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung. Dies ist für uns ein zentraler Grundsatz.

Der Zugang zu Bildung muss für alle, unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund, gleichermaßen möglich sein. Sicherheit in der Finanzierung des Studiums ist dafür zentral! Darum fordern wir einen erleichterten Zugang zum BAföG und eine bedarfsgerechte Verteilung. Die Höchstförderungsdauer sollte sich nicht an der Regelstudienzeit orientieren, sondern realitätsnah an der durchschnittlichen Studiendauer. Andere Kosten für ein Studium, sei es für Weiterbildungsmaster, Eignungstests, außercurriculare Angebote oder kostenpflichtige Zusatzqualifikationen, lehnen wir ab. Gleichzeitig setzen wir uns für eine Ausfinanzierung der Universitäten ein, um die strukturellen Voraussetzungen für den unbeschränkten Zugang zur Uni herzustellen.

Für eine sozialere Uni durch Gleichstellung und Inklusion!

Eine Universität zeichnet sich durch eine Vielfalt verschiedener Individuen, Gruppen und Lebensentwürfen aus, die voneinander lernen und zusammen das Klima der Uni prägen. Leider gibt es in Freiburg noch immer gravierende Ungleichheiten, sodass nicht alle Menschen angemessen vertreten werden. Dies beginnt bei der Gleichstellung der Geschlechter: Obwohl das Verhältnis von weiblichen und männlichen Studierenden mittlerweile nahezu ausgeglichen ist, dominieren in anderen Bereichen wie dem Lehrbetrieb nach wie vor Männer. Die Uni muss mehr Bemühungen zeigen, dieser strukturellen Benachteiligung entgegenzuwirken. Wir fordern eine dauerhafte Quote von 50% im Rektorat, sowie eine Quote von mindestens 30% bei allen Neuberufungen im Lehrbetrieb. Langfristig sollte ein Anteil von 50% weiblichen* Professuren erreicht werden. Ein entsprechender Berufungsleitfaden reicht nicht aus. Auch eine verstärkte Doktorandinnen-Förderung kann die akademische Karriere für Frauen erleichtern. Ferner sprechen wir uns für Instrumente wie das Gender-Budgeting aus, um eine gerechte Verteilung der Mittel zu gewährleisten. Auch unter den Studierenden setzen wir uns für spezielle Förderprogramme für Frauen* ein.

Unsere Uni muss familienfreundlicher werden und allen die Möglichkeit geben, eine akademische Laufbahn mit der Gründung einer Familie zu verbinden. Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass die Studierendenschaft mit Quoten in allen Gremien, im AStA und in den Referaten für die Gleichstellung von Mann und Frau kämpft. Auch bei der Inklusion ist noch vieles zu tun: Ein barrierefreies Studium wird nur in wenigen Bereichen gewährleistet. Wir fordern, dass alle Teile der Universität, Hörsäle, Bibliotheken und Mensen, barrierefrei zugänglich gemacht werden. Barrierefreiheit bezieht sich dabei nicht nur auf die bauliche Umwelt, sondern auch auf Kommunikation und Information. Zudem muss den Studierenden die Unterstützung gewährt werden, die sie brauchen. Wir fordern daher die Stelle der Beauftragten für Studierende mit Behinderung und chronischen Erkrankungen endlich mit den benötigten personellen und sachlichen Ressourcen auszustatten!

An der Uni gibt es Beauftragte für Chancengleichheit und Gleichstellung. Wir fordern ein Überdenken des Selbstverständnisses dieser beiden Beauftragten im Rahmen einer Änderung der Grundordnung der Universität, sodass sich alle Gruppen und alle Menschen an der Uni Freiburg vertreten fühlen können. Wir positionieren uns klar gegen jede Diskriminierung oder Benachteiligung von Menschen, die sich nicht den binären Geschlechtern zugehörig fühlen und stehen für eine Uni, die allen gleichermaßen zugänglich ist. In diesem Sinne wollen wir auch eine Anlaufstelle gegen die Diskriminierung von LSBTTIQ* institutionalisieren. Außerdem fordern wir, dass Genderkompetenzen bei Universitätsangestellten gestärkt werden.

Für eine bessere Studiensituation in Freiburg!

Zum Studium gehört mehr als zu lernen und sich weiterzubilden. Die Uni Freiburg sollte ein Ort sein, an dem die gesamten Rahmenbedingungen für Studierende stimmen.

Unhaltbar ist die Wohnungssituation, die sich in Freiburg in den letzten Jahren weiter verschärft hat. Mieten schießen nicht nur in astronomische Höhen, sondern es mangelt allgemein an Wohnraum für Studierende. Wir fordern deshalb mehr Wohnheime und den Ausbau bestehender Wohnheimsplätze, die den Anforderungen von Studierenden angepasst sind und bezahlbar bleiben. Dabei sehen wir uns auch als Bindeglied zur Kommunalpolitik. Wir sind zudem der Überzeugung, dass Mensen stärker auf die Interessen der Studierenden ausgerichtet sein sollten. Nach wie vor fordern wir, das Angebot durch den Ausbau des vegetarischen und veganen Essens und die Gestattung des „Mensacontainerns“ nachhaltiger zu gestalten. Zudem setzen wir uns für längere Öffnungszeiten der Mensa ein.

Für soziale Arbeitsbedingungen an der Uni!

Im Raum Freiburg zählt die Uni zu den wichtigsten Arbeitgebern. Unserer Meinung nach geht damit eine große soziale Verantwortung einher. Wir fordern faire Arbeitsverhältnisse für alle Angestellten der Uni Freiburg. Es darf keine Kettenverträge mehr geben, sondern gute Arbeitsplätze für alle, ohne Ausnahme! Wir setzen uns für sichere Promotionsverträge und eine durchdachte Finanzierung ein. Auch die Situation von studentischen Hilfskräften wollen wir deutlich verbessern. Wir brauchen nicht nur eine bessere Bezahlung, sondern allgemein einen besseren Schutz gegen Ausbeutung, denn viele studentische Hilfskräfte arbeiten regelmäßig viel mehr als in ihren Arbeitsverträgen festgelegt wurde. Wir fordern hier klare tarifliche Festlegungen und die Einrichtung einer Anlaufstelle bei Verstößen.

Für ein demokratischeres, wirtschaftsunabhängiges und klimafreundliches Leitbild der Uni!

Wir sehen den Einfluss der Wirtschaft auf unsere Universität kritisch und setzen uns entschieden für die Freiheit von Forschung und Lehre ein.

Wir fordern: Die Uni Freiburg muss demokratischer werden! Dafür muss die Anzahl der studentischen Mitglieder im Senat deutlich erhöht werden.

Wir wollen die grundsätzliche Öffentlichkeit von Senatssitzungen, um Transparenz und damit eine Voraussetzung gelebter Demokratie herzustellen.

Zum Leitbild einer progressiven Hochschule gehört auch ein ökologisches Selbstverständnis. Wir begrüßen deshalb die Installation von Solaranlagen auf der Universitätsbibliothek und wünschen uns ähnliche Ansätze für die Zukunft. Die Universität klimafreundlicher und nachhaltiger zu machen muss zentrales Ziel sein. Maßstab hierfür ist sozial verträgliche Klimaneutralität!

Ablehnung der Exzellenzstrategie

Um eine Gleichberechtigung auch zwischen den einzelnen Universitäten gewährleisten zu können, sprechen wir uns gegen die Exzellenzstrategie im Generellen aus.

Diese sieht vor, bestimmte Universitäten bzw. Universitätenverbünde projektbezogen zu fördern. Durch eine solche punktuelle Finanzierung von Forschungsprojekten mit jährlich 533 Millionen Euro (getragen von Bund und Ländern) soll die Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Ebene angekurbelt und die innovative Leistungsfähigkeit gesteigert werden. Dies hat jedoch zur Folge, dass sich sogenannte “Elite-Unis” bilden und damit ein Zweiklassensystem in der deutschen Hochschullandschaft entsteht.

Wir stehen deshalb für eine flächendeckende, gerechtere Verteilung der Fördergelder in ganz Deutschland ein.

Für eine internationale und weltweit vernetzte Uni!

Gerade in Zeiten eines weltweit erstarkenden Nationalismus kommt internationalem Austausch und dem Knüpfen von Freundschaften über Grenzen hinweg ein besonderer Stellenwert zu. Die Uni Freiburg heißt jedes Semester viele ausländische Studierende willkommen, allerdings bilden sich häufig Gruppen, die wenig Kontakt zu lokalen Studierenden haben. Diese Entwicklung ist sehr bedauerlich, weil hier die Chance des kulturellen Austausches nicht genutzt wird. Durch mehr gemeinsame Veranstaltungen und eine Öffnung der einführenden Ersti-Veranstaltungen wie beispielsweise des Marktes der Möglichkeiten für internationale Studierende möchten wir dieses Problem angehen.

Umgekehrt sollten Auslandsaufenthalte für Freiburger Studierende erleichtert werden: Wir fordern einen Abbau der Bürokratie und die unkomplizierte Anerkennung von Leistungen. Auslandsaufenthalte sollten nicht vom Geldbeutel abhängig sein, daher fordern wir die Ausfinanzierung des Erasmus Programms sowie die Abschaffung von Gebühren, etwa für die Anerkennung. Wir begrüßen zudem eine weltweite Öffnung des Erasmus-Programms.

Wir heißen die Pläne Eucor zu einer Europäischen Universität auszubauen grundsätzlich gut und begrüßen Schritte hin zu einem besser vernetzten Europäischen Hochschulraum. Hier muss jedoch das Angebot für Studierende ausgebaut werden und es sollte allen Studierenden offen stehen. Daher machen wir uns insbesondere für Mobilitätszuschüsse für alle Hochschulangehörigen stark, damit es nicht auf die finanzielle Lage ankommt, ob man zu einem Standort pendeln kann. Wir fordern weitgehende Mitspracherechte der Studierenden, um den Prozess hin zu diesem einmaligen Vorhaben demokratisch und sozial zu gestalten. Wir bekennen uns zur Europäischen Union und wollen die europäische Integration vor Ort vorantreiben.

Für eine aktive und einflussreiche Verfasste Studierendenschaft!

Durch die Einführung der Verfassten Studierendenschaft haben die Studierenden der Uni Freiburg endlich eine eigenständige Organisationseinheit und können sich direkter an der Hochschulpolitik beteiligen. Wir wollen die Verfasste Studierendenschaft aktiv und konstruktiv mitgestalten, sie zu einem einflussreichen, bedeutenden Teil der Universität mitentwickeln und den Studierenden eine Stimme geben. Allerdings halten wir das Wahlverfahren des Studierendenrats hinsichtlich der Initiativen, die unabhängig vom erzielten Wahlergebnis nur eine Stimme erhalten, für problematisch. Deshalb streben wir eine Reform des Wahlverfahrens an. Der Stimmenanteil der Initiativen soll sich in der Verteilung der Sitze niederschlagen und die einzelne Stimme muss aufgewertet werden. Die Verfasste Studierendenschaft muss weiterentwickelt und für alle Beteiligten fair gestaltet werden.