Pressemitteilung zu Gespräch mit dem Rektorat anlässlich des Holocaust-Kaikaturenwettbewerbs an Freiburgs Partneruniversität in Isfahan

Gemeinsame Pressemitteilung des Referats gegen Antisemitismus des AStA der Uni Freiburg und der Juso-Hochschulgruppe Freiburg vom 01.06.2016
„Grundsätzlich verschiedene Positionen im Umgang mit den iranischen Hochschulen“
Im Nachgang zu dem breit in den Medien diskutierten antisemitischen und holocaustrelativierenden Cartoon-Wettbewerb an der Universität im iranischen Isfahan, der nicht zuletzt auch vom Referat gegen Antisemitismus und der Juso-Hochschulgruppe in Freiburg scharf kritisiert wurde, kam es am vergangenen Montag zu einem Gespräch zwischen den beiden genannten Gruppen und dem Freiburger Rektorat.
„Wir freuen uns, dass die Unileitung sich die Zeit genommen hat, mit uns über dieses Thema zu sprechen. Das zeigt, dass man sich auch dort der Ernsthaftigkeit und Problematik bewusst ist“, bemerkt Lennart Vogt, Sprecher der Juso-Hochschulgruppe Freiburg.
Isfahan ist Partnerstadt Freiburgs und die dortige Universität ist Partnerhochschule der Uni Freiburg. Deshalb hatte der Rektor der Universität, Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer, den Wettbewerb bereits gegenüber seinem Amtskollegen Talebi in Isfahan kritisiert. Dieser antwortete bereits vor einiger Zeit in einem Schreiben, das den Gruppen vorliegt.
„Zwar erklärt Dr. Talebi, dass die Studierendengruppen Autonomie genießen und die vertretene Meinung nicht die der Hochschule sein müsse, doch halten wir das nur für bedingt glaubwürdig, da verschiedene Quellen eine direkte Involvierung der iranischen Führung in den Wettbewerb nahelegen“, so ein Teilnehmer des Referats gegen Antisemitismus des AStA der Uni Freiburg.
Das iranische System ist nicht für Meinungsfreiheit bekannt. An der Universität in Isfahan kann kein Plakat aufgehängt und erst recht kein Wettbewerb organisiert werden, ohne dass dies der politischen Führung genehm ist. Indirekt müssen die vertretenen Positionen also schon der der Hochschulleitung oder anderer Entscheidungsträger*innen entsprechen.
Im Laufe des Gesprächs wurde seitens der Freiburger Unileitung mehrfach betont, dass man im Interesse der reformorientierten Kräfte im Iran den Dialog nicht abbrechen wolle, sich aber darüber im Klaren sei, dass die Kooperation ein heikles Thema sei.
„Wir haben erhebliche Zweifel an dem Reformwillen der iranischen Führung und der Reformierbarkeit gerade in Bezug auf Antisemitismus und die Position zu Israel. Noch immer wird von offizieller Seite
nicht an Drohungen gegenüber Israel gespart. Antisemitismus ist nachwievor zentrales Element der herrschenden Ideologie und die Zahl der verhängten Todesstrafen hat unter dem vermeintlich reformistischen Präsidenten Rohani sogar zugenommen“, stellt Sebastian Gräber vom Referat gegen Antisemitismus fest.
Zwar ist es zutreffend, dass das Meinungsspektrum im Iran vielfältiger ist, als es auf den ersten Blick scheint. Ebenso kann der Diskurs zwischen konservativen und reformistischen Kräften eine Chance für das Land bieten, jedoch sind auch die sogenannten Reformer nicht unkritisch zu sehen. Tiefgreifende Veränderungen sind derzeit noch nicht ersichtlich. Fraglich ist deshalb, wen man mit einer Kooperation unterstützt und welchen Einfluss man dadurch auf die iranische Gesellschaft nimmt. Nicht zuletzt der Verfolgung der Baha’i, einer iranischen Minderheit, der der Zugang zu Bildungseinrichtungen grundsätzlich verwehrt ist, wird durch die Kooperation nichts entgegengesetzt. Währenddessen schmückt sich das iranische Regime über Pressemitteilungen mit der erfolgreichen Kooperation zwischen den Universitäten.
Yves Heuser vom Referat gegen Antisemitismus des AStA der Uni Freiburg resümiert: „Zwischen uns und der Universität herrschen grundsätzlich verschiedene Positionen zum Umgang mit iranischen Hochschulen. Während man in der Universität glaubt, progressive Kräfte im Rahmen des wissenschaftlichen Austauschs erreichen zu können, halten wir das für eine Illusion.“
Auch weiterhin ist der Cartoon-Wettbewerb unter keinen Umständen zu akzeptieren, das Referat und die Juso-Hochschulgruppe freuen sich aber, dass das Rektorat die Diskussion begrüßt und hoffen, dass der Diskurs auf den Veranstaltungen des Referats oder in anderen Formaten fortgesetzt wird.

Anmerkung: An dem Gespräch nahmen Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer (Rektor, Uni Freiburg), Anja Hausmann (International Office, Uni Freiburg), Dr. Tim Epkenhans (Dozent am Orientalischen Seminar, Uni Freiburg), Lennart Vogt (Juso-Hochschulgruppe Freiburg), Sebastian Gräber und Yves Heuser (beide Referat gegen Antisemitismus) teil.

Kontakt: jusohsgfreiburg@stura.org; gegen-antisemitismus@stura.org; Tel. 017692621890 (Yves Heuser, Referent gegen Antisemitismus); Tel. 01608577566 (Matthias Dalig, Sprecher Juso-Hochschulgruppe)